Leistungsklassen

Und hier (mit freundlicher Genehmigung von Henning) eine gute verständliche Erläuterung aus "isibless" zum neuen Leistungsklassensystem:

01.01.09 Neue Leistungsklassen im IPZV: Was man vor Saisonbeginn wissen sollte

Unser Islandpferdesport ist bereits seit langem eine in unterschiedliche Klassen geteilte Gesellschaft. Und diese Trennung macht auch Sinn, möchte man die Zulassung zu bestimmten Disziplinen der Prüfungsordnung doch im Sinne der allgemeinen Fairness möglichst genau an das Leistungsniveau der Reiter und ihrer Pferde koppeln.

Die bestehenden Kategorien „Sport A bis D“ werden nun zur Saison 2009 zu Gunsten eines noch feinmaschigeren Systems neu geschaffener Leistungsklassen in den Hintergrund treten. Künftig gibt es bei Sportturnieren in Deutschland (vorbehaltlich der Zustimmung des IPZV-Präsidiums und -Länderrates am 10. Januar, die allerdings als sicher gilt) die Klassen 1 bis 6.

LK

Tölt

Viergang

Fünfgang

1

> 6,5

> 6,3

> 6,2

2

> 6,3

> 6,2

> 6,0

3

> 6,0

> 6,0

> 5,8

4

> 5,6

> 5,6

> 5,5

5

> 5,3

> 5,3

> 5,2

6

ohne Ergebnis oder

< LK 5

ohne Ergebnis oder

< LK 5

ohne Ergebnis oder

< LK 5

0

Nicht FIPO/IPO-Prüfung

Nicht FIPO/IPO-Prüfung

Nicht FIPO/IPO-Prüfung

Warum dieser Umbruch? Einerseits dürfte damit das in der Reiterschaft beklagte Manko des alten „Aussiege-Systems“ behoben werden, dass die Grenzen zur nächsten Stufe oft zu hoch waren, um einer in ihrer Klasse erfolgreichen Pferd-Reiter-Kombination den Aufstieg zu ermöglichen bzw. sie dazu zu verpflichten. War also Reiter „Alpha“ mit Pferd „Omega“ zum Beispiel in der Sportklasse D dem Gefühl nach „zu gut“, gewann dort mit relativer Leichtigkeit und erreichte trotzdem auch über längere Zeit nicht die Punktzahl, die ihm einen „Pflicht-Aufstieg“ beschert hätte, blieb er in der Vergangenheit zum - verständlichen - Unmut der Mit(st)reiter in der Sportklasse D „hängen“. Eine sinnvollere Staffelung der Punkte-Grenzen nach dem Prinzip des so genannten Aussiegens dient also ganz eindeutig der größeren Fairness.

Ein weiterer Aspekt ist die höhere Flexibilität auf Seiten der Veranstalter. Deren Ausschreibungen werden sich künftig noch genauer an der Realität ihres Teilnehmerfeldes orientieren können. Und zuguterletzt dürfen sich auch die Reiter freuen, dass sie nach dem Erreichen der jeweils nächsten Qualifikationsstufe nicht direkt vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt werden, weil der Sprung im Endeffekt vielleicht doch zu groß war.

Im Klartext sieht das folgendermaßen aus: Jede Pferd-Reiter-Kombination hat eine Leistungsklasse für die jeweils übergreifende Disziplin Tölt, Viergang und Fünfgang. Das Raster reicht von 6 bis 1, wobei 1 als höchste Stufe punktetechnisch der alten Sportklasse A entspricht. Klasse 3 entspricht dem A-Niveau bei Jugendlichen und Junioren, alles Weitere ist nach unten abgestuft (s. Tabelle).

Man ist als Reiter für eine bestimmte Leistungsklasse qualifiziert, wenn man einmal deren Mindestpunktzahl erreicht bzw. überschritten hat (Beispiel: Leistungsklasse 3 im Tölt = 6,00 Punkte; Qualifikation mit größer/gleich 6,00 Punkten). Ab diesem Zeitpunkt darf man beim nächsten Turnier in der höheren Klasse starten, nach dem zweiten Erreichen oder Überschreiten der Punkte-Hürde wird der Start in einer Prüfung der neuen Leistungsklasse zur Pflicht (Prinzip des „Aussiegens“).

Die Punkte gelten bis zum Ende des folgenden Kalenderjahres und beziehen sich auf den gesamten Prüfungskomplex der jeweiligen Disziplin (Punkte aus T3 und/oder T8 = „Tölt-Punkte“ allgemein). Innerhalb dieses Zeitraumes können sich die Reiter zwar in der Skala nach oben steigern, ihre Qualifikation aber nicht verlieren bzw. in die niedrigeren Klassen zurückkehren.

Ergebnisse aus der Saison 2008 werden übrigens übernommen und gemäß der neuen Tabelle (s.o.) klassifiziert; lediglich neue Pferd-Reiter-Kombinationen starten zum Einstieg in der Leistungsklasse 6 und werden nach dem ersten Turnierstart gemäß ihrer dortigen Ergebnisse frisch ins Ranking einsortiert.

Nochmal zur Punkte-Sammlung in den Disziplinen Tölt, Vier- und Fünfgang: Mein eigenes „Punktekonto“ kann ich als Reiter durch die Teilnahme an allen dieser Disziplin zugehörigen Prüfungen aufladen, im Tölt also von T8 bis T1. Erreite ich in also ggf. bei einer T8 die Punktzahl von 6,5, was nominell einer alten Sport-A-Tölt-Qualifikation entspräche, werde ich im Tölt in die Leistungsklasse 1 eingestuft. Ob ich dann gleich im nächsten Schritt eine Nennung für die Teilnahme am Töltpreis ausfülle(n sollte), steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Der Töltpreis „T1“ behält bei allen IPZV- bzw. FEIF-weit ausgeschriebenen Tölt-Wettbewerben natürlich die höchste Wertigkeit, vermutlich wird man also auch nur äußerst selten Turniere finden, deren Ausschreibungen diese Königsdisziplin außerhalb der Leistungsklasse 1 vorsehen. Theoretisch möglich wird auch soetwas; der wahrscheinlichere Fall, etwas Töltpreis-Ähnliches offener anzubieten, wäre aber wohl die Ausschreibung einer in ihren Anforderungen (langsames Tempo, Tempounterschiede, starkes Tempo / Finale: jeder Aufgabenteil auf beiden Händen) vergleichbaren T3 für die Leistungsklassen 2-6 oder 2-X (immerhin war diese Sport-B-Prüfung auch bislang grundsätzlich offen für alle erwachsenen Reiter).

Kommen wir erneut zur bereits geschilderten Problematik der Vergangenheit, dass in manchen Fällen Reiter mit „zu guten Pferden“ dauerhaft Prüfungen dominiert haben, die für die Sportklasse D ausgeschrieben waren. Waren sie dort zwar auf Sieg abonniert, reichten die Punkte oft aber eben nicht, um z.B. nach 2x 5,80 in der Sportklasse D einen Start in der Sportklasse C zur Pflicht zu machen. Das neue, engmaschigere System kommt beiden Gruppen entgegen: den gefühlt Benachteiligten und den „Aufsteigern“.

Immerhin mussten diese früher direkt den Umstieg von T8 & Co. auf T6 und T5 schaffen. So logisch das auch sein mag, so war es doch ungewiss, ob sie diesen Anforderungen unmittelbar gewachsen sein würden. Künftig dürfen sie gern weiter T8 oder T7 reiten, allerdings in einer höheren Leistungsklasse (sofern der Veranstalter das anbietet). Es liegt im Ermessen eines Veranstalters, ob er eine Prüfung für eine einzelne oder für mehrere Leistungsklassen ausschreibt.

Nach einer Verabschiedung dieser neuen Richtlinien im IPZV-Sportausschuss und einer ergänzenden Erörterung im Jugendausschuss, was die Klassifizierung von Jugendlichen und Junioren betrifft, können Prüfungen für Jugendliche und Junioren auch in Zukunft separat ausgeschrieben werden. Veranstalter dürfen in ihren Ausschreibungen weiterhin allgemeine „Youngster“-Prüfungen anbieten, wobei zwar die Vorentscheidung gemeinsam bestritten wird, es aber getrennte Endausscheidungen für die J-Kategorie (Jugend) und die H-Kategorie (Junioren) geben kann. Als weitere Option sind auch „offen kombinierte“ Vorentscheidungen möglich (z.B. eine Fünfgang-Prüfung mit denselben Aufgabenteilen für mehrere Leistungs- und Altersklassen inkl. Erwachsene, J & H). Hier erfolgt dann das Splitting in den Endausscheidungen, z.B. kann für jede Altersklasse ein eigenes A-Finale ausgeschrieben werden.

Die Reiter der Kinderklasse bleiben auch in Zukunft "unter sich", bei großen Turnieren mit hoher Starterzahl können innerhalb von K.S., K.M. und K.L. allerdings auch einzelne Prüfungen für mehrere Leistungsklassen ausgeschrieben werden, um eine "faire Niveau-Regulierung" zu ermöglichen.

Soviel als Vorab-Information, die isibless bereits jetzt ergründen konnte. Nach der Vorstands- und Länderrats-Sitzung am 10. Januar (und vorausgesetzt: dort kriegt die neue Regelung das erwartete OK) wird der IPZV gewiss auch eine offizielle Verlautbarung abgeben. Außerdem werden Informations-Seminare in allen Landesverbänden stattfinden, um Reiter und Veranstalter mit entsprechendem Hintergrund-Wissen zu versorgen. Diese Hintergründe wird auch isibless am 10. Januar mit einer Reihe von Entscheidungsträgern aus dem Verband anhand einiger Praxis-Beispiele noch weiter vertiefen.

Wird es abgesegnet, tritt das neue Modell (Regeln der einzelnen Prüfungen bleiben selbstverständlich unberührt) ab sofort, d.h. mit Beginn der Turnier-Saison 2009, in Kraft.

www.isibless.de