4-Tage Wanderritt durchs Münsterland
Von Barbara Hartz

Nachdem uns unser 7-Tage-Ritt letzten Herbst rund um die Plöner Seenplatte so gut gefallen hatte, haben Dagmar und ich beschlossen, dieses Frühjahr gleich wieder loszuziehen. In Hinblick auf den Gesundheitszustand meines Pferdes sollte es diesmal aber etwas in der Nähe sein und so haben wir uns für den Warendorfer Reitweg entschieden, eine 190 km lange Rundroute rund um Warendorf, Füchtorf, Ost- und Westbevern. Das Schöne an diesem Projekt: Es gibt eine genaue Routenplanung mit Unterkunftsverzeichnis, Karte und Beschilderung – also auch für AnfängerInnen in diesem Metier ohne weiteres geeignet.
Die Planung der Tagesetappen und die Buchung der Unterkünfte für Reiterinnen und Pferde übernahm auch diesmal dankenswerter Weise Dagmar – mein Beitrag beschränkte sich lediglich auf das Bestellen der Pferdekennzeichen (Leihkennzeichen für 5 Euro – völlig unkompliziert durch einen kurzen Anruf getätigt...) und die Aktivierung meiner Verwandtschaft in Füchtorf, da dort die ausgewiesenen Unterkünfte bereits ausgebucht waren.
Ursprünglicher Starttermin sollte der Sonntag vor Ostern sein – bedingt durch Krankheit meinerseits mussten wir aber leider die ersten beiden Etappen überspringen, packten die Pferde Montagnachmittag auf den Hänger und steuerten direkt die Unterkunft in Warendorf an. Dort nächtigten die beiden Vierbeiner ausgesprochen komfortabel in Boxen mit Außenpaddocks, wir etwas spartanischer in einer klitzekleinen Ferienwohnung, bevor es Dienstag dann endlich losgehen konnte. Wie immer boten wir dabei ein amüsantes Bild – Dagmar auf ihrer Oldenburger Stute Cara knapp 1,70 m über dem Boden schwebend, daneben ich auf Flugnir mit einem Stockmaß von gerade mal 1,30 m – aber da sind wir ja vollkommen schmerzfrei...
Im Grunde hätten wir es an diesem ersten Tag relativ einfach gehabt – der Start und der Endpunkt lagen gerade mal zwei Kilometer auseinander – aber bekanntlich ist ja der Weg das Ziel und so gondelten wir gemütlich der Karte und den Schildern folgend einmal 36 km rund um Warendorf. Leider hatte ausgerechnet dieser Teil der Strecke so seine Tücken: Zum einen waren Wege gesperrt worden, die auf unserer Karte noch als zu reitende vermerkt waren, zum anderen verirrten wir uns beinahe in einem neuangelegten Windpark – die Zuwegungen zu den Anlagen waren nicht auf der Karte verzeichnet und die Beschilderung wies ausgerechnet hier eklatante Lücken auf. Aber wie auch schon in Plön behielten Dagmar und Cara die Nerven und die Karte im Blick, während Flugnir munter an jeder Kreuzung hin und her hampelte und ich nicht in der Lage war, irgend etwas auf meiner Karte zu fixieren, geschweige denn, einen Weg zu verfolgen (dafür ist er dann locker-flockig und ziemlich schnell trotz des ganzen Gepäcks über Stock und Stein getöltet – Cara im Schaukelgalopp immer hinterher...). Gegen Abend hatten wir es dann aber doch geschafft: Die Pferde konnten nach ausgiebigem Sandbad ihre Boxen im Josephshof beziehen, und wir nach Bier mit Pommes mit Salat in einer Warendorfer Kneipe glücklich und zufrieden in unsere Betten ein paar Häuser weiter fallen.
Unterwegs: Waldwege / auch das Anbringen von Kennzeichen will gelernt sein / Dagmar beim Kartenlesen...
Die zweite Etappe führte von Warendorf an Sassenberg vorbei bis Füchtorf – zum Teil über kilometerlange Sandreitwege durch Wälder, Wiesen und Äcker. Bei Sandwegen und Isis im Fellwechsel ist manchmal allerdings Vorsicht angeraten: Erst benahm sich das Pony wie ein Trüffelschwein – Nase am Boden, lockerer Gang. Als er zu Scharren anfing, hätte ich eigentlich stutzig werden müssen, wachte aber erst auf, als der Herr schon fast lag und sich wunderte, weshalb ich ihn brüllend mit Gerte und Schenkeln traktierte – hier hätte man sich doch so schön wälzen können!!! Nach einer ausgiebigen Graspause auf einer riesigen Wiese stach ihn dann auch noch der Hafer – kaum saß ich, wurde erst mal eine Runde rumgebuckelt, wir hatten ja heute auch noch gar nichts getan ... die Große wunderte sich nur und ließ sich glücklicherweise nicht anstecken...
Der dritte Tag begann stürmisch und endete auch so – die Pferde waren beide wie aufgezogen, blieben aber artig. Trotzdem war es ein relativ anstrengender Ritt – Cara leicht nervös und der Kleine – keine Ahnung, wo er hin wollte, auf jeden Fall weiter und das im Rennschritt. Keine Chance, ihn hinter der Großen zu platzieren und mal abzuschalten. Bei Starkwind erneut durch einen Windpark – da kamen wir uns tatsächlich ein wenig vor wie die beiden Spanier aus der Überschrift! Ziemlich erledigt (zumindest ich) machten wir gegen Nachmittag Rast auf einem Bauernhofcafé, die Pferde sicher an einem von der Reitwegeplanung installierten Anbindebalken verwahrt und von unserem Fensterplatz gut im Blick. Nach einer kleinen Stärkung nahmen wir die letzte Etappe in Angriff – diese Nacht machten wir Zweibeiner es uns in einem kleinen Hotel gemütlich und die Vierbeiner gut versorgt in Außenboxen auf einem nahegelegenen Hof.

Alles eine Frage des Wollens...
Am Karfreitag starteten wir dann zum letzten Teil unseres Rittes, der, was die Wege anbelangte, auch der schönste werden sollte. Nochmal um die 35 km bei bestem Frühlingswetter mit superschönen Tölt-/Trabstrecken auf Wiesenwegen – Endpunkt des Rittes war das Heidehotel Waldhütte, dem wir uns von hinten auf idyllischen Sandwegen durch einen Kiefernwald näherten - sehenswert alleine wegen der Raststätte für Reiter, mit einer Selbsttränke (die allerdings noch nicht in Funktion war, dafür gab´s Wasser für die Pferde aus Eimern) und der Möglichkeit, über Handy oben im Café eine Bestellung aufzugeben – nobel geht die Welt zugrunde! Nach geruhsamem Ausklang bei Apfelschorle und Käsekuchen verstauten wir Gepäck und Pferde im Hänger und ließen uns von unserm Bring- und Abholservice (Roland) nach Hause kutschieren.
Die Wettervorhersage für die 4 Tage war ziemlich grauselig gewesen – bewahrheitet hat sich kaum etwas davon – ein Tag mit Sturm und Graupelschauern, sonst nur Sonne und kühl, viel besser hätte es kaum sein können für ein winterpelzgeplagtes Pony!

Endlich mal wieder in den Seilen hängen...
Zu den Wegen bleibt zu sagen, dass wir uns meist auf sehr gut bereitbaren Banketten entlang von asphaltierten Wirtschaftswegen bewegten, aber wie schon beschrieben auch wirklich tolle Sand- und Wiesenabschnitte darunter waren. Sehr angenehm war auch das Verzeichnis von Raststationen entlang der Route, die grundsätzlich über ausgesprochen stabile Anbindebalken verfügten und die Pferde dort auch oft mit Heu und Wasser versorgt werden konnten. Stark befahrene Straßen mussten nur gequert, nie beritten werden und das absolute Highlight in diesem Zusammenhang war an einer kombinierten Bahn-/Bundesstraßenüberquerung eine Ampeldrückvorrichtung für Reiter!
Ausgesprochen positiv hervorgehoben werden muss auch das rücksichtsvolle Verhalten der Fahrern von Motorfahrzeugen aller Art: Traktoren hielten fast immer an, um uns vorbeizulassen oder uns die Möglichkeit zu geben, einen sicheren Standplatz zu finden, Pkws fuhren grundsätzlich langsam und mit großem Abstand an den Pferden vorbei, etwas, wovon man in unseren Gefilden nur träumen kann!
Auch wenn die Beschilderung meist gut ist, empfiehlt es sich doch, zwischendurch einen Blick auf die Karte zu werfen, denn manche Schilder waren umgefallen oder schlecht zu sehen (oder wir schon zu unaufmerksam...).
Detaillierte Informationen zur Route sind zu finden unter Warendorfer Reitroute, dort können auch Karte und Verzeichnis kostenlos bestellt werden. Falls im Vorfeld Unklarheiten bestehen, sollte man sich auch unbedingt an Frau Schneider unter der dort angegebenen Tel.-Nr. wenden, die zu vielen Fragen freundlich und kompetent Auskunft erteilt!
Da das Unterkunftsverzeichnis nicht mehr ganz aktuell ist, aber auch wegen eventueller Ausbuchung, empfiehlt es sich, rechtzeitig mit der Planung beginnen.
Weiter kürzere Routenvorschläge findet man unter Reitrouten Münsterland
Uns und den Pferden hat es jedenfalls wieder richtig viel Spaß gemacht und wir sind gedanklich schon mit unserem nächsten Projekt, einem Ritt durchs Wendland, beschäftigt...
Comments
Don Quijote und Sancho Pansa auf dem Warendorfer Reitweg
Für alle die´s interessiert oben ein kleiner Bericht von unserem Wanderritt durchs schöne Münsterland...